Einen Übungskatalog aufbauen und wiederverwenden
Gute Übungen muss man nicht neu erfinden. Wie du einen Katalog aufbaust, aus dem du für jeden Schüler schnell das Passende ziehst.
Jede Lehrkraft hat Übungen, die sich bewährt haben – für den Ansatz, die Technik, die schwierige Stelle. Doch oft leben sie nur im Kopf und werden ad hoc wiederholt, statt systematisch gesammelt zu werden.
Ein Übungskatalog macht dieses Wissen verfügbar. Wie du ihn aufbaust und wiederverwendest, ohne dass er zur Pflichtverwaltung wird, zeigt dieser Artikel.
Warum ein Katalog mehr ist als eine Liste
Ein Übungskatalog ist keine bloße Sammlung, sondern ein Ordnungssystem. Er ordnet Übungen nach Zweck und Schwierigkeit, sodass du für eine konkrete Situation schnell das Passende findest.
Der Unterschied zur Liste: Du suchst nicht nach einem Namen, sondern nach einem Bedarf – „etwas für die linke Hand“ oder „für den Lagenwechsel“.
Klein anfangen
Der Katalog muss nicht vollständig sein, bevor er nützlich wird. Beginne mit den Übungen, die du ohnehin regelmäßig vergibst, und ergänze nach und nach.
Fünf gut geordnete Übungen sind nützlicher als fünfzig, die niemand wiederfindet.
Nach Zweck ordnen, nicht nach Instrument
Eine Ordnung nach Zweck – Technik, Rhythmus, Lockerheit, bestimmte Stellen – macht den Katalog flexibel. Die gleiche Übung lässt sich oft über Instrumente hinweg einsetzen.
Wer nur nach Instrument sortiert, verliert die Übungen, die für mehrere Fächer passen.
Übungen im Unterricht variieren statt nur wiederholen
Ein Katalogeintrag kann mehrere Schwierigkeitsstufen enthalten. Bei einer Koordinationsübung kann die lernende Person zunächst die Bewegung ohne Tempo ausführen, später einen gleichmäßigen Puls ergänzen und am Ende die Passage in den musikalischen Zusammenhang setzen. Solche Varianten erleichtern es, die Aufgabe an den aktuellen Stand anzupassen.
Halte die Veränderung klein und beobachte, was sie bewirkt. Wenn eine Variation hilft, ergänze sie als Hinweis im Eintrag; wenn nicht, kannst du zur einfacheren Fassung zurückkehren. So wird der Katalog zu einer Auswahl an Unterrichtswegen und nicht zu einer starren Liste, die für alle Lernenden gleich verwendet wird.
Übungen in der Unterrichtsvorbereitung schnell auswählen
Der Katalog hilft besonders dann, wenn die Auswahl vor der Stunde schnell gehen muss. Suche nach dem beobachteten Lernbedarf und öffne nur wenige passende Übungen. Entscheide anschließend, welche davon für die aktuelle Person und das konkrete Stück geeignet ist. Ein kleiner Pool guter Optionen unterstützt die Vorbereitung besser als eine lange Liste, die erst vollständig durchgesehen werden muss.
Wenn eine Übung ausgewählt ist, formuliere die Aufgabe für diesen Einsatz neu: welcher Abschnitt, wie viele Wiederholungen und worauf soll geachtet werden? Die Katalogbeschreibung liefert die Grundlage, ersetzt aber nicht die Anpassung an den Unterricht. Nach dem Termin kannst du notieren, ob die Übung zur geplanten Schwierigkeit passte.
Mit Aufgaben verknüpfen
Der Katalog entfaltet seinen Wert erst in der Anwendung: Wenn du eine Übung direkt an eine Aufgabe hängen kannst, wird aus dem Katalog ein Arbeitsmittel statt einer Ablage.
Eine Aufgabe wie „Übung 3 aus dem Katalog, täglich fünf Minuten“ ist klarer als eine neu formulierte Beschreibung.
Eine Übung testen und sauber dokumentieren
Bevor eine Übung in den festen Katalog kommt, probiere sie mit einer konkreten Aufgabe aus. Beobachte, ob die Anweisung verständlich ist und ob sie tatsächlich den gewünschten Lernschritt unterstützt. Wenn du die Übung während des Unterrichts erklären musst, ergänze eine kurze Notiz oder passe die Beschreibung so an, dass sie später ohne viel Kontext verständlich bleibt.
Dokumentiere auch, welche Vereinfachung oder Steigerung funktioniert hat. Eine Rhythmusübung kann zunächst geklatscht und später auf das Instrument übertragen werden. Solche Varianten machen aus einem einzelnen Eintrag mehrere nutzbare Wege, ohne dass du jede Fassung als separate Übung speichern musst.
Übungen so beschreiben, dass du sie wiederfindest
Ein Eintrag sollte mehr enthalten als einen Namen. Halte kurz fest, welches Problem die Übung adressiert, für welchen Schwierigkeitsgrad sie geeignet ist und welche Variation möglich ist. Eine Tonleiterübung kann etwa auf Gleichmäßigkeit zielen, während eine rhythmische Variante gezielt den Wechsel zwischen zwei Notenwerten schult.
Beschreibe außerdem, was die lernende Person hören oder fühlen soll. Ein Hinweis wie „Schultern locker, Puls gleichmäßig“ macht die Anwendung klarer als eine reine Titelzeile. Bleib knapp: Der Katalog soll dir die Auswahl erleichtern, nicht für jede Übung ein vollständiges Lehrbuch enthalten.
Einen überschaubaren Katalog aufbauen
Beginne mit wenigen Übungen, die du in den kommenden Wochen tatsächlich einsetzen möchtest. Ein kleiner, geprüfter Bestand ist im Unterricht schneller nutzbar als eine lange Liste ungetesteter Ideen. Ergänze weitere Einträge erst, wenn eine Übung in der Praxis wiederholt gebraucht wurde oder eine bestimmte Lücke im Katalog auffällt.
Ordne nicht nach einer perfekten Taxonomie, sondern nach Begriffen, die du beim Suchen verwendest: Rhythmus, Lockerheit, Koordination, Blattspiel oder Klang. Wenn sich eine Übung in mehreren Bereichen eignet, kannst du passende Schlagworte ergänzen, statt sie zu kopieren. So bleibt die Sammlung beweglich und wächst aus realen Unterrichtsfragen.
Mit Instrument und Niveau flexibel umgehen
Einige Übungen lassen sich auf mehrere Instrumente übertragen, andere brauchen eine bestimmte Technik oder Haltung. Kennzeichne, was universell ist und was angepasst werden muss. Statt dieselbe Übung mehrfach zu kopieren, kannst du eine Grundidee dokumentieren und Variationen für Klavier, Streicher oder Blasinstrumente ergänzen.
Auch der Schwierigkeitsgrad ist nicht allein am Instrument festzumachen. Eine Aufgabe kann für eine Person leicht und für eine andere anspruchsvoll sein. Beschreibe daher lieber die Voraussetzungen – etwa sichere Tonleitern oder eine bestimmte Bewegungsform – als nur eine starre Stufe.
Ausprobieren und Rückmeldungen einarbeiten
Ein Katalog wird besser, wenn du nach dem Einsatz kurz notierst, was funktioniert hat. War die Anleitung verständlich? Hat die Übung das gewünschte Problem getroffen? Musste die Dauer oder das Tempo angepasst werden? Solche Beobachtungen sind wertvoller als eine aufwendige Bewertung jeder einzelnen Übung.
Wenn eine Übung nicht passt, lösche sie nicht sofort. Ergänze einen Hinweis, für wen sie weniger geeignet ist oder welche Vereinfachung hilft. So wächst aus dem Katalog kein starres Regelwerk, sondern eine Sammlung von Möglichkeiten, aus der du passend auswählen kannst.
Den Katalog klein und lebendig halten
Füge neue Übungen dann hinzu, wenn sie im Unterricht tatsächlich nützlich waren. Ein monatlicher kurzer Blick reicht, um doppelte Einträge zu entdecken und Beschreibungen zu verbessern. Sortiere nach dem Bedarf, den du im Unterricht wiedererkennst – zum Beispiel Rhythmus, Lockerheit, Koordination oder Blattspiel.
Lege fest, welche Angaben du wirklich brauchst. Wenn jeder Eintrag fünf Pflichtfelder hat, wird die Pflege zur Hürde. Ein Titel, ein Ziel und eine kurze Anweisung reichen oft; Zusatzmaterial kommt nur dazu, wenn es die Übung deutlich verständlicher macht.
Wie MUSIRIS den Katalog trägt
In MUSIRIS legst du einen Übungskatalog an, den du mit Aufgaben und Schülern verknüpfst. Bewährte Übungen sind so jederzeit griffbereit und lassen sich mit einem Klick weitergeben.
MUSIRIS kannst du kostenlos ausprobieren. Lege die drei Übungen an, die du am häufigsten vergibst, und nutze sie in der nächsten Aufgabe.
Keine Kreditkarte · In wenigen Minuten startklar